Gegen Unsinn und Populismus – 11 Klarstellungen
MH
1/8/20262 min read


Lange habe ich meine eigene Meinung für verzichtbar gehalten. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil ich der Überzeugung war, dass meine Haltung niemandem fehlte. In den vergangenen Jahren und Monaten ist jedoch eine Menge fragwürdiger Unsinn publiziert worden – und häufig wurde ich mit schiefen Zuschreibungen und Unterstellungen konfrontiert. Deshalb ist es wohl an der Zeit, dass ich ein paar meiner Positionen klarstelle. Nicht, um zu provozieren. Sondern um persönliche Grenzen zu benennen.
1. Verschwörungstheorien, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind keine „alternativen Meinungen“. Sie sind intellektuelle Kapitulation. Wer derartige Weltbilder akzeptiert oder ihnen denselben Rang einräumt wie faktenbasierter Erkenntnis, gibt nicht nur den Respekt vor Menschen auf, sondern auch den Respekt vor der eigenen Vernunft.
2. Nein, die Ukraine trägt keine „Mitschuld“ am Krieg im eigenen Land. Die Gewalt hat einen einzigen Verursacher. Und der heißt Russland. Jedes andere Urteil ist ein moralischer Kurzschluss, der Täter und Opfer vertauscht – und jede Logik gleich mit entsorgt.
3. Wer „mehr Verständnis für Putin“ fordert, relativiert widerlichste Kriegsverbrechen und gefährdet unsere Sicherheit. Punkt.
4. Donald Trumps Agenda ist ganz sicher kein „disruptives Vorbild für ein mutloses Europa“. Sie ist faschistoid, menschenverachtend und eine Gefahr für die ganze Welt.
5. Wenn Politiker oder Journalisten für Demokratie und Freiheit und gegen Extremismus eintreten, ist das keine „Neutralitätsverletzung“, sondern ihre Pflicht. Neutralität wird heute oft pervertiert zur angeblichen Verpflichtung, jeden pseudowissenschaftlichen Social-Media-Post oder sonstigen unbelegten Unfug gleichrangig neben jahrzehntelange Forschung zu stellen. Diese falsch verstandene „Ausgewogenheit“ ist kein Pluralismus. Sie ist intellektuelle Fahrlässigkeit.
6. Journalismus heißt seriöse Recherche und Einordnung. Wer dumpfes Internet-Gekläffe und verfassungsfeindliches Geschwafel genauso behandelt wie gesicherte Fakten, verwischt die Grenze zwischen Wahrheit und Behauptung – und wird selbst zur Gefahr für eine aufgeklärte Gesellschaft.
7. „Wenig Ahnung, viel Meinung“ ist kein individuelles Problem mehr, sondern ein Phänomen unserer Zeit. Unqualifiziertes Motzen im pseudointellektuellen Gewand ist zum Volkssport geworden. Dabei wäre die empfohlene Reihenfolge simpel: erst informieren, dann denken, dann schreiben. Dass viele daran scheitern, ist kein Zeichen von Mut, sondern von Überforderung.
8. Andersdenkende sind keine Feinde. Sie sind Teil des demokratischen Prozesses. Demokratie lebt von unterschiedlichen Meinungen, von Streit und von der Fähigkeit zum Kompromiss. Aber diese Vielfalt braucht gemeinsame Leitplanken: keine Gewalt, keine Ausgrenzung, keine intendierten Lügen. Innerhalb dieser Grenzen ist Streit nicht nur erlaubt, sondern notwendig. Außerhalb davon endet der Diskurs und beginnt die Zerstörung dessen, was uns verbindet. Nicht jede Haltung verdient denselben Respekt. Aber jeder Mensch verdient Würde.
9. Repräsentanten autoritärer Organisationen und Unrechtsstaaten müssen nach den Maßstäben des Rechtsstaats beurteilt werden – nicht nach nostalgischen Verklärungen. Wer Diktaturen romantisiert, verhöhnt ihre Opfer. Das gilt nicht nur, aber besonders für die Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes und der DDR.
10. Wer sich der Mittel des Populismus bedient – komplexe Probleme bewusst vereinfacht, Ängste schürt, die Gesellschaft spaltet und Schwächere zu Alleinschuldigen erklärt –, sägt an unserer Verfassung, an unserer Demokratie, an unserer Freiheit.
11. Suspekt sind mir lautstarke Weltenretter, die sich mit viel Pathos und ohne tragfähige Konzepte zu Kampfpiloten gegen „die da oben“ aufschwingen. Bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich meist als intellektuelle Tiefflieger. Die Kollateralschäden können verheerend sein.
Kontakt
E-mail & Telefon
mail@michaelheun.com
+49 172 53 22 123
© 2025. All rights reserved.
Meistens in
guter Gesellschaft.

